Die Verlobung in St. Domingo – Ein Widerspruch

von Necati Öziri gegen Heinrich von Kleist

Uraufführung

Regie Sebastian Nübling / Bühne Muriel Gerstner / Musik Lars Wittershagen / Kostüme Pascale Martin
Mit Maryam Abu Khaled, Dominic Hartmann, Kenda Hmeidan, Falilou Seck, Dagna Litzenberger Vinet

Auf Haiti tobt die Revolution. Nach über hundert Jahren der Sklaverei brennen die Zuckerrohrplantagen der französischen Kolonialherren und die versklavte Bevölkerung Haitis kämpft für ihre Freiheit. Eines Nachts klopft plötzlich ein junger Mann an der Haustür von Toni, der Ziehtochter eines der Anführer der Revolution. Gustav, ein Adeliger aus der französischsprachigen Schweiz, bittet um Schutz. Er ist auf der Flucht vor den Truppen der Revolutionäre. Zwei Familien stehen einander gegenüber in unversöhnlicher Feindschaft. Die junge Toni muss sich entscheiden und sucht verzweifelt einen Ausweg aus der Spirale der Gewalt. Keine Zeit für Revolutionsromantik.
In seiner kurz nach der französischen Revolution erschienenen Novelle „Die Verlobung in St. Domingo“ (1811), einer dramatischen Lovestory im Setting der Revolution, macht Heinrich von Kleist klare Fronten auf: „weiss“ gegen „Schwarz“, Gut gegen Böse, Ordnung gegen Anarchie. Doch wie geht die Geschichte, wenn nicht eindeutig ist, wer Freund und wer Feind der Werte der Aufklärung ist? In seinem neuen Stück bricht Necati Öziri die eingeschriebenen Fronten auf. Er widerspricht den vermeintlich eindeutigen Positionen und Zuschreibungen, gibt jenen Figuren Namen und Geschichten, die bei Kleist nur angedeutet werden, und mutet der Geschichte eine neue Ebene der Opposition zu, die eine heutige Diskussion über Gewalt und Gegengewalt vor einem politischen Hintergrund erzwingt. Wer überlebt die heutige Nacht? Wem gehört eine Geschichte? Und wie könnte ein anderes Ende aussehen?
 
Necati Öziri hat Philosophie, Germanistik und Neue Deutsche Literatur in Bochum, Istanbul, Olsztyn und Berlin studiert. Er war Stipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung, unterrichtete an der Ruhr-Universität Bochum formale Logik. Von 2014 bis 2017 war er Teil der Dramaturgie am Gorki-Theater in Berlin, davon zwei Jahre künstlerischer Leiter des Studio Я. Seit der Spielzeit 17/18 ist er Dramaturg beim Theatertreffen der Berliner Festspiele und leitet das Internationale Forum.
 
Sebastian Nübling inszeniert seit vielen Jahren regelmässig am Schauspielhaus Zürich, zuletzt entwickelte er hier „Sweatshop – Deadly Fashion“ zu den Schattenseiten der globalisierten Modeindustrie und „In Formation“ über die Krise der Schweizer Medienwelt..
Mit „Die Verlobung in St. Domingo – Ein Widerspruch. Von Necati Öziri gegen Heinrich von Kleist" bringt Sebastian Nübling zum zweiten Mal ein Stück dieses Autors zur Uraufführung. Am 20. Mai 2017 feierte „get deutsch or die triyin’" am Maxim Gorki Theater in Berlin Premiere. Die Inszenierung wurde zum Heidelberger Stückemarkt 2018 eingeladen.
 

Schiffbau/Box

Do, 04 Apr Premiere

Koproduktion mit dem Maxim Gorki Theater Berlin

Nino Haratischwili schreibt über die „europäische Arroganz“ (aus dem Schauspielhaus-Journal Januar 2019)

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