Die Verlobung in St. Domingo – Ein Widerspruch

von Necati Öziri gegen Heinrich von Kleist

Uraufführung
Koproduktion mit dem Maxim Gorki Theater Berlin

Regie Sebastian Nübling / Bühne Muriel Gerstner / Kostüme Pascale Martin / Musik Lars Wittershagen / Live-Kamera Robin Nidecker
Mit Maryam Abu Khaled, Dominic Hartmann, Kenda Hmeidan, Dagna Litzenberger Vinet, Falilou Seck

Maryam Abu Khaled
Dominic Hartmann
Kenda Hmeidan
Dagna Litzenberger Vinet
Falilou Seck
 
Regie Sebastian Nübling
Bühne Muriel Gerstner
Kostüme Pascale Martin
Musik Lars Wittershagen
Live-Kamera Robin Nidecker
Dramaturgie Anna Heesen
Licht Michel Güntert
Regieassistenz Clara Dobbertin
Bühnenbildassistenz Sandra Antille
Kostümassistenz Iva Ivanova
Dramaturgieassistenz Benjamin Große
Regiehospitanz Peter Gruber
Inspizienz Ralf Fuhrmann
Soufflage Katja Weppler
Theaterpädagogik Manuela Runge
Schiffbau/Box
Premiere am 4. April 2019
Vorstellungsdauer: 125 Minuten, ohne Pause

Auf Haiti tobt die Revolution. Nach über hundert Jahren der Sklaverei kämpft die geknechte Bevölkerung für ihre Freiheit. Eines Nachts klopft plötzlich der junge Gustav, ein Adeliger aus der Schweiz, an der Haustür von Toni, der Ziehtochter eines der Anführer der Revolution, und bittet um Schutz auf der Flucht vor den Truppen der Revolutionäre ... Toni muss sich entscheiden – keine Zeit für Revolutionsromantik. In seiner kurz nach der französischen Revolution erschienenen Novelle „Die Verlobung in St. Domingo“ (1811), einer dramatischen Lovestory im Setting der Revolution, macht Heinrich von Kleist klare Fronten auf: „Weiss“ gegen „Schwarz“, Gut gegen Böse, Ordnung gegen Anarchie. Doch wie geht die Geschichte, wenn nicht eindeutig ist, wer Freund und wer Feind der Werte der Aufklärung ist? In seinem neuen Stück widerspricht Necati Öziri den vermeintlich eindeutigen Positionen und mutet der Geschichte eine neue Ebene der Opposition zu, die eine heutige Diskussion über Gewalt und Gegengewalt erzwingt.


Mehr Hintergrundinfos und spannende Diskussionen zur Inszenierung gibt es in unserem Rahmenprogramm:

- Publikumsgespräch mit Necati Öziri und Sebastian Nübling am 5. April
- Podiumsdiskussion mit Necati Öziri, Katja Brunner, Sivan Ben Yishai und Fatima Moumouni, 
  Moderation Ruth Feindel am 12. April
- Einführung Spezial mit Philipp Hanke am 16. April
- Theater Campus English Version am 16. April
- Theater im Gespräch am 26. April
- Einführung Spezial mit Daniel Kurjaković am 2. Mai
- Einführung Spezial mit Harald Fischer-Tiné am 5. Mai
- Wir müssen reden … - Ein Antirassismus-Workshop am 13. Mai

> Mehr Infos unter „Mehr als Zuschauen"


Fotos © Tanja Dorendorf / T+T Fotografie

„Öziri macht den Skandal zum Thema und stellt seine Kleist-Kritik postdramatisch offen zur Diskussion. Er gibt den vier Figuren, die in der Novelle nur als Phantome europäischer Revolutionsangst zu Wort kommen, eine eigene Stimme und eine historische Identität.“ FAZ

„Der Regisseur ist ein Spieler, er lässt spielen, denn im Spiel lösen sich Fronten und Thesen auf. Und dieses Wunder der Leichtigkeit glückt ihm auch in Zürich und gegen alle Erwartung. Auch in der Schiffbau-Box gelingt es Nübling elegant und undogmatisch, das Schwarzpeterspiel um Gut und Böse, Schwarz und Weiss zu vermeiden. Er wendet Öziris thesenschweren «Widerspruch» gegen Kleist in eine klare, kluge und kraftvolle Spielanlage, die alles hat, um auch aus politischem Theater Unterhaltungswert zu schlagen. Nüblings Lesart ist ein grosser Rave, eine Love-Parade der Queers, Feministinnen, People of Color – Master of the Dancefloor ist Lars Wittershagen.” NZZ

„Nübling lässt in dieser Box agieren, aber auch davor und dahinter. Er produziert grandiose Schattentheater-Sequenzen, mondriansche Farbkompositionen ziehen vorbei und Live-Cam- Einblendungen. Dazu rechts zwei Synthesizer, links ein Kritzelpapier für Wortergüsse: Kunst thematisiert sich stets mit.“ Tages-Anzeiger

„Es ist dieser kongeniale mediale Kniff, und es sind die spielwütigen Darstellerinnen und Darsteller, die die Uraufführung zu einem überzeugenden Bekenntnis machen. Theater braucht sich nicht als politisches Instrument anzubiedern, Theater ist per se ein politisches Instrument.“ NZZ

„Dazu zaubert Nübling einen Pseudo-Konzert-Beitrag aus seinem Regie-Wunderkasten, lässt „vorwärtsspulen“ oder in Slow-Motion verharren und gibt auch sonst seinen Akteuren – hervorstechend Maryam Abu Khaled und Kenda Hmeidan, beide ehemals aus dem Exil Ensemble des Maxim Gorki Theaters – viel Platz für schnelles, genaues, energiegeladenes Spiel.“ nachtkritik.de

„Die fünf Schauspieler, allen voran Maryam Abu Khaled als schwarze Mutter Babikan von Toni, zeigen ein schwungvolles, ironisierendes Spiel, das fesselt und die Hintergründe der Figuren spürbar aufleben lässt.“ seniorweb.ch

„Uns Zuschauern bleibt aber eine Menge Zucker für den Kopf: Stoff zum Träumen und Denken.“ Tages-Anzeiger

Rahmenprogramm:

- Publikumsgespräch
mit Necati Öziri und Sebastian Nübling
In seinem neuen Stück widerspricht der Autor Necati Öziri den vermeintlich eindeutigen Positionen in der Kleist’schen Novelle und provoziert eine alternative Perspektive auf Gewalt und Gegengewalt. Gemeinsam sprechen Necati Öziri und der Regisseur Sebastian Nübling über den Prozess ihrer Unternehmung und stellen sich den Fragen des Publikums.
5. April, Schiffbau/Box, anschliessend an die Vorstellung, Eintritt frei

- Podiumsdiskussion
mit Necati Öziri, Katja Brunner, Sivan Ben Yishai und Fatima Moumouni, Moderation Ruth Feindel
AutorInnen sprechen über ihre Perspektiven auf die Verantwortung und Wirkungsmacht von AutorInnenschaft. Welche Sprache, Motive, Kontexte braucht das (antirassistische) Theater und welche muss man (radikal) ablehnen? Für wen schreibt man eigentlich? Für freie SpielerInnen, freie RegisseurInnen, freie ZuschauerInnen? Wer kann Freiheit für sich beanspruchen und wer ist genötigt, dafür zu kämpfen?
12. April, Schiffbau/Box, 20:00, CHF 30 / 15*

- Einführung Spezial
mit Philipp Hanke
Der Germanist und Historiker skizziert den ab 1791 zwölf Jahre andauernden Befreiungskampf der SklavInnen von Saint-Domingue (dem heutigen Haiti). Die Haitianische Revolution steht bis heute im Schatten der Französischen Revolution. Was geschah damals, als sich 500’000 SklavInnen gegen ihre Herren erhoben und nach den USA den zweiten unabhängigen Staat in den Amerikas gründeten? Wie stehen sich die beiden Texte von Kleist (1811) und Öziri (2019) gegenüber?
16. April, Treffpunkt Schiffbau/Foyer, 19:15, Eintritt frei

- Theater Campus English Version
Workshop, Spezialeinführung mit Philipp Hanke, Vorstellungsbesuch und Gespräch mit KünstlerInnen der Produktion in der Schiffbaubar
Dienstag, 16. April, Treffpunkt Schiffbau/Foyer, 17:00

- Theater im Gespräch
In einer moderierten Gesprächsrunde zu jeweils zwei Inszenierungen tauschen Sie Beobachtungen mit anderen aus und vergleichen Inszenierungsansätze.
Mit Petra Fischer. 26. April, Treffpunkt Schiffbau/Foyer, 19:00–20:30, Eintritt frei

- Einführung Spezial mit Daniel Kurjaković, Kunsthistoriker und Kurator, Zürich/Paris,
2. Mai, Treffpunkt Schiffbau/Foyer, 19:15

- Einführung Spezial mit Harald Fischer-Tiné, Professor für Geschichte der modernen Welt, ETH Zürich
5. Mai, Treffpunkt Schiffbau/Foyer, 18:15

- Wir müssen reden …
Ein Antirassismus-Workshop zu „Die Verlobung in St. Domingo – Ein Widerspruch“
13. Mai, 18:00–21:30, Treffpunkt Schiffbau/Foyer, Eintritt frei

Vermittlungsangebote für Schulklassen

Schiffbau/Box

Mo, 22 Apr 19:1521:20 Karten Theatermontag
Di, 23 Apr 20:1522:20 Karten Einführung um 19:30 / Carte Blanche / English Season
Mi, 24 Apr 20:1522:20 Karten
Do, 02 Mai 20:1522:20 Karten Einführung Spezial um 19:15 mit Daniel Kurjaković, Kunsthistoriker und Kurator / English Season
So, 05 Mai 19:1521:20 Karten Einführung Spezial um 18:15 mit Harald Fischer-Tiné, Professor für Geschichte der modernen Welt, ETH Zürich
Di, 07 Mai 20:1522:20 Karten Carte Blanche
Mi, 08 Mai 20:1522:20 Karten English Season
Mi, 15 Mai 20:1522:20 Karten
Fr, 17 Mai 20:1522:20 Karten
Sa, 18 Mai 20:1522:20 Karten
Mo, 20 Mai 20:1522:20 Karten Theatermontag / zum letzten Mal in Zürich!

Die Autorin des Theaterstücks „Die zweite Frau“ Nino Haratischwili schreibt über die „europäische Arroganz“ (aus dem Schauspielhaus-Journal Januar 2019)

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