Texte von Jacques Brel

zusammengestellt und übersetzt von Yves Binet
Uraufführung

Regie Werner Düggelin / Bühne Raimund Bauer / Kostüme Tiziana Angela Ramsauer
Mit André Jung

André Jung
 
Regie Werner Düggelin
Bühne Raimund Bauer
Kostüme Tiziana Angela Ramsauer
Licht Markus Keusch
Dramaturgie Gwendolyne Melchinger
Regieassistenz Sophia Bodamer
Bühnenbildassistenz Selina Puorger
Souffleuse Rita von Horváth
Inspizienz Ralf Fuhrmann

„Es gibt Dinge, die man nicht einem Menschen allein, die man nur zweitausend Leuten sagen kann. Schlimmer noch – es gibt Dinge, die man sich selber nur sagen kann, wenn zweitausend Personen mit dabei sind, die einem recht zu geben scheinen, wenn man sie ausspricht.“ Der belgische Ausnahmechansonnier Jacques Brel liebte die Bühne. Und trotzdem verabschiedete er sich von ihr auf dem Höhepunkt seiner Karriere mit 38 Jahren. Unbequem, unbeirrbar und unangepasst fürchtete er nichts mehr als die Wiederholung. Vorhersehbarkeit war ihm verhasst. Stattdessen suchte der Nomade nach neuen Herausforderungen. Beim Film, auf der See, in der Luft.

Werner Düggelin widmet sich in seinem Abend über Jacques Brel weniger dessen Musik als dessen Texten, den Erinnerungen, Beobachtungen und Gedanken, die aus Interviews des vielschichtigen Künstlers stammen. Düggelin erarbeitet aus Brels Worten einen Erinnerungsraum – einen Monolog für den Ausnahme-Schauspieler André Jung.

„Ein kurzer, feiner, nachklingender Theaterabend – mit einem wunderbar subtilen André Jung.“ Basler Zeitung

„Mit Zärtlichkeit und Liebe: Altmeister Werner Düggelin zeigt in der Box des Schiffbaus einen wunderbaren Abend mit Texten von Jacques Brel. André Jung horcht da in ein ganzes Leben hinein – zwischen Zweifel, Behauptung und Kaninchenbraten.“ Der Landbote

„Eine freudvolle Hommage ans Leben ist dieser grosse kleine Abend, und ganz zum Schluss abermals die Reverenz an den Chansonnier. Wenn André Jung schon abgegangen ist, während die Lichter langsam verlöschen, singt er „Les Marquises“, sein allerletztes Lied, in dem er seinem nomadischen Traum noch einmal den schönsten Ausdruck gab: „Le cœur est voyageur, l'avenir est au hasard“.“ NZZ

„André Jung, der all das hüpfende und holpernde Denken von Jacques Brel in eine konzentrierte Menschendarstellung übersetzt: in einfache Gänge, kleine Gesten, wiederholtes Kofferpacken, stilles Sitzen an den Tischen, die auf der Bühne verteilt sind. Nichts Grosses, aber viel Ruhiges und Starkes, aus dem heraus Jung die Sinnfragen stellen kann. Und zwischen denen er viel Raum lässt, wenn er diese Fragen mit Brels Aperçus und Instant-Weisheiten zu beantworten versucht. Oder wenn eines der insgesamt acht alten Tonbänder auf den Tischen anspringt und ihn beim Denken unterbricht. Eines lacht höhnisch über das ewige Kind; einige andere können die ökonomischen Realitäten für das Gelingen jedes neuen Selbstentwurfs im Kapitalismus benennen („Geld“), ein siebtes will die Tollheiten der Liebe feiern, während das achte wiederholt das „Tu n'as rien compris ...“ aus Brels „S'il te faut“ schmettert.“ Tages-Anzeiger

„Jacques Brels Worte spricht jetzt der Schauspieler André Jung, es ist sein Abend. Der Titel dazu: „Texte von Jacques Brel“. Zusammengestellt und übersetzt hat sie Yves Binet. Regie führt Werner Düggelin. Und weil Düggelin mit Brel mehr als nur den Jahrgang teilt, ist es mehr als nur ein Abend mit Texten geworden. Hier spricht das Leben, so wie es in Düggelins Theater immer spricht: mit Zärtlichkeit und Liebe. Und mit allen Zweifeln, die in dieser Liebe sind.“ Zürichsee-Zeitung

„André Jung ist ein Künstler der Subtilitäten, der leisen Töne, ein psychologisch versierter Menschendarsteller, dabei immer ein wenig schräg, mit einem Zug ins Melancholische. Da sitzt er still, hört sich selbst, scheinbar regungslos zu, aber man sieht, wie er nachdenkt. Er packt Kleidungsstücke und Bücher in antiquierte Koffer und packt sie wieder aus. Ein Magnetophon macht sich selbständig und gibt das stets gleiche Chanson wieder, und André Jung schaltet es ungehalten ab. Seine Sprache hat nichts Deklamatorisches, kein klingendes Pathos.“ Stuttgarter Nachrichten

„Geboten wird ein packender Monolog, der einen suchenden Künstler mit all seinen Widersprüchlichkeiten zeigt. Jacques Brel war bekannt für seine gesellschaftskritischen Wutausbrüche, die vorab gegen das Kirchliche und Kleinbürgerliche abzielten, für seine orkanartigen Bühnenauftritte. Davon ist in der Aufführung nichts zu spüren. André Jung in adrettem Anzug gibt einen sanften, zweifelnden Brel, der sich nie festlegt, mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert. Er zirkuliert von Tonband zu Tonband, spricht mit leiser Stimme ins Mikrofon, hört sich das Gesprochene an, wird laufend durch losgehende Tonbänder unterbrochen.“ seniorweb.ch

 „Auf der Bühne acht alte Tonbandgeräte, die Jung immer wieder einschaltet, um dann gleich wieder die Stopptaste zu drücken. Aus ihnen erklingt seine eigene Stimme, die Brel spricht. Und es ist, als denke Jung – als Brel – nun über seine Aussagen nach, die ihm nicht genügen. Weshalb er immer wieder einen nächsten Anlauf nimmt, in Worte zu fassen, was ihn umtreibt. Dafür genügt nicht ein einziges „Letztes Band“ (wie bei Becketts Krapp), zu viele Stimmen wohnen in ihm.“ Basler Zeitung

„Es ist kein biografischer Abend, den Düggelin und Jung präsentieren. Verbürgte Lebensereignisse - der Knall-auf-Fall-Abschied von der Bühne, der Aufbruch auf die Marquesas, der in der Krebserkrankung sich ankündigende Tod – sind ihnen mehr Vorwand als Anhalt für ein Ideenbild. Der Basler Brel-Kenner Yves Binet hat ihnen dafür einen Pastiche aus Interviewzitaten, Reflexionen, Beobachtungen, Erinnerungen Brels zusammengestellt, der sehr rund wirkt, in sich die Bezüge sucht und übers Ganze wie eine kleine, feine Studie über den Erkenntnisdrang, das Träumen und Staunen anmutet.“ NZZ

„Die letzten Worte gehören wieder ganz Jacques Brel, am Schluss läuft nur ein Tonband mit der Aufnahme von „Les Marquises“, dem Lied über das Leben auf den Inseln, wo die Zeit stillsteht, wenn kein Wind geht. „Und meine Erinnerungen werden zu dem, was die Alten daraus machen“, hiesst es in diesem Lied. Und auch, dass das Herz ein Reisender ist. Dann stoppt das Band. André Jung tritt jetzt am Ende des Abends ins Licht und nimmt den Applaus des Publikums, der ein Jubel ist, entgegen. Da gibt es jetzt keinen Vorhang mehr. Werner Düggelin steht ganz hinten auf der Bühne in der Ecke. Kein Abschied. Das Ende ist ein Anfang.“ Zürcher Oberländer

Schiffbau/Box

Zum letzten Mal am 31. Mai 2017 im Schiffbau/Halle

„Texte von Jacques Brel“ mit André Jung (aus dem Schauspielhaus-Journal September 2016)

Unterstützt von der LUMA Foundation